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Geschichte & Geographie
Ein Ausschnitt aus der «Karte zum Zürcher Urkundenbuch, Band I bis III, Das heutige Zürcher Gebiet beim Erlöschen der Grafen von Kiburg im Jahre 1264. Entworfen von H. Zeller-Werdmüller.»
«Dess Wintterthurer Quartiers, sampt der anstossendenden Turgöwischen Landen und anderer Quartieren Zürich gebiets, Eigentliche Verzeichnis No 3, Hans Conradt Beigers 166o»
Murdoch-Karte von 1803 – mindestens auf der Karte gibt es unser Dörfchen zwar noch nicht, man beachte aber den Lauf der Thur!
Ausschnitt aus der «Wandkarte des Cantons Zürich, Nordost-Blatt, Heinrich Keller 1833»
Ein Ausschnitt aus dem Blatt Nr. XI der unter der Leitung von Johannes Wild entstandenen Karte von 1850.
Es sieht schon besser aus! In Menzengrüt sind bereits einige Häuser verzeichnet. Rund ums Dorf fallen die vielen Rebberge auf und in der nördlichen Senke ist statt dem heutigen Naturschutzgebiet "Torfland" vermerkt. Ebenfalls interessant ist der Verlauf der Strasse von «Gundetsweil» nach Menzengrüt, bzw. die fehlende Verbindung zu Kefikon. Und Im Wald ob Menzengrüt ist ein Steinbruch eingetragen.
Ein Ausschnitt von 1894 aus : «J. Heierli: Archäologische Karte des Kantons Zürich.» Die farbigen Markierungen bezeichnen übrigens archäologische Fundstellen.
Einleitung
Ausschnitt aus der Publikation der Gemeinde Wiesendangen «Ergänzung Leitbilder der Kernzonen von Wiesendangen»:
Siedlungsstruktur
Menzengrüt liegt am Fuss des Grütbucks in sanft gegen Osten abfallendem Gelände. Es handelt sich um ein Haufendorf mit in und um ein Strassenrechteck angeordneten Gebäuden. Letztere sind jeweils in der Falllinie des Hangs ausgerichtet, also in Ost-West-Richtung. Entsprechend einheitlich ist die Dachlandschaft. An der Attiker- bzw. Kefikerstrasse und an der Hinterdorfstrasse sind die Gebäude dadurch traufständig, an der Rickenbacherstrasse und dem Gässli giebelständig. Eine dichtere, teilweise beidseitige und auf die Strasse ausgerichtete Bebauung besteht an der Attiker- bzw. Kefikerstrasse und an deren Kreuzung mit der Rickenbacherstrasse. Zusammen mit dem Brunnen verleiht diese Bebauung dem Strassenzug einen dorfähnlichen Charakter.
Gebäudebestand, Gebäudemerkmale
Bei den Hauptgebäuden handelt es sich überwiegend um Vielzweckbauernhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Vorhanden sind zudem einzelne Einfamilienhäuser, ein Mehrfamilienhaus und eine ehemalige Gastwirtschaft. Bezüglich Materialisierung herrschen Sichtfachwerk, Verputz und Holz vor. Die Erdgeschosse der Ökonomieteile wurden teilweise in Backstein erneuert.
Schon im 14. Jahrhundert wurden die hochmittelalterlichen Ausbausiedlungen1 «Grüt» und «Sulzberg» zum ersten Mal bezeugt. Sie bestehen im Jahr 1361 aus den zwei Höfen «ze Greit» und «uff dem Sultzberg» und waren habsburgische Lehen, welche 1415 durch die Eroberung des Aargaus2 zu einem von der Stadt Zürich verwalteten Reichslehen wurden. Inhaber waren die Besitzer der Herrschaft Gachnang, welche 1623 an das Kloster Einsiedeln gelangte. Nach dieser Übernahme zerfiel das Lehen in vier Teile, wobei die Verantwortung der einzelnen Teile einem «Trager» übergeben wurde, da bereits weitere «Mithafte» auf den Gütern sassen. In der Folge blieb Menzengrüt bis 1798 ein Einsiedler Lehen.
Gemäss den Steuerbüchern der 1460er-Jahre lebten im 15. Jahrhundert zwei Familien «von Grüt» im Ort. 90 Jahre später dann, im Jahr 1550, sind drei Haushaltungen mit Namen «Menz» verzeichnet, welche die Güter bewirtschaften. Sie dürften namensgebend gewesen sein, denn in der Folge wird der Ort «Menzengrüt» genannt. «Sulzberg» hingegen war unterdessen vermutlich in der Siedlung «von Grüt» aufgegangen.
1624 zählt der Ort vier Liegenschaften und 1639/40 finden sich zwei Familien «Grüter» mit grossem Besitz im Steuerrodel. Dazu kommen weitere fünf Familien mit anderen Namen und unbedeutendem Besitz.
Anhand der Bauten des Weilers ist die Siedlungsentwicklung der letzten vier Jahrhunderte gut nachvollziehbar. Die ältesten Bauten und Bauteile, die ins 17. Jahrhundert zurückreichen, sind an der Hauptachse des Weilers – der Gundetswiler-Strasse – situiert. So das 1653 errichtete Bauernhaus in der südöstlichen Ecke der Strassenkreuzung am südlichen Ortseingang, welches das Stammhaus der bedeutenden Familie Peter war. Diese bäuerliche Aristokratenfamilie bestimmte über mehrere Generationen sowohl das Schicksal des Weilers Menzengrüt sowie jenes der Pfarrei Wiesendangen massgeblich mit. Das Haus in Menzengrüt wurde von einem Mitglied der Familie Peter gebaut, als sich diese auf dem Gipfel ihrer Wohlhabenheit und ihrer Macht befand. Der Repräsentationsanspruch der Familie kam auch in Grösse und Ausstattung des Gebäudes zum Ausdruck.
Auch die beiden gegenüberliegenden Gebäude westlich der Gundetswiler-Strasse gehen auf diese einflussreiche Familie zurück. Somit wurde der zentrale, ortsbildbestimmende Bereich des Weilers von der Familie Peter gebaut und gestaltet. Fachwerk wie auch Dachkonstruktion ihres Stammhauses zeigen eine überdurchschnittliche, qualitativ hochstehende Zimmermannsarbeit und das Wohnhaus beherbergte seit jeher in beiden Wohngeschossen eine Stube, was im ländlichen Hausbau nur in herrschaftlichen Häusern anzutreffen ist. Im Hausinneren finden sich Ausstattungselemente vom 17. bis zum 20. Jahrhundert. Das Erdgeschoss repräsentierte die Wohnbedürfnisse der Familie Peter in den Anfängen des 20. Jahrhunderts, im Obergeschoss gehen Stuben- und Küchenausstattung auf die Erbauerfamilie Peter und die zwischenzeitlich hier lebende Familie des Gerichtshauptmanns Stauber zurück, deren Einzug um 1787 mit dem Kachelofen dokumentiert ist. Die durch den Dreissigjährigen Krieg beeinflussten wirtschaftlichen Verhältnisse kamen damals der bäuerlichen Oberschicht entgegen. So ist der «Petersche Hof» von Menzengrüt vergleichbar mit dem 1660 errichteten «Alten Wirtshaus» von Marthalen oder dem «Untervogtshaus» von 1692 in Unterohringen (Seuzach).
Schon im 17. Jahrhundert ist Menzengrüt also zu einem kleinen Weiler mit sieben Haushaltungen angewachsen. 1743 vernichtete ein Brand zwei Höfe in Menzengrüt, welche aber beide wieder aufgebaut wurden.
Im 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vollzog sich eine geringe Verdichtung und vor allem eine westliche Ausweitung des Weilers. Eine Ausweitung nach Norden wurde durch den Reichtum und die soziale Bedeutung des Hofes der unterdessen nicht mehr ansässigen Familie Peter verhindert. Die innere Ordnung des Ortsbildes ist das Resultat der Siedlungsgeschichte, die in charakteristischer und regionaltypischer Weise eine über Jahrhunderte dauernde Entwicklung vom Einzelhof zum Weiler zeigt.
Auf der «Wildkarte» von 1850 sind darum bereits weitere Gebäude sichtbar, der kleine Ort hat sich zu einem Weiler entwickelt, der nach dem Ende des «Ancien Régimes» auch eine eigene Zivilverwaltung erhielt. Übrigens blieb die Strassenanlage von 1850 bis heute unverändert.
Der nächste Bauschub kann in den Anfängen des 19. Jahrhunderts beobachtet werden. Mitte des 19. Jahrhunderts dann ist der historische Ausbau des Weilers mit rund einem Dutzend Bauernhäusern erreicht. Dieser Stand wurde abgesehen von wenigen Ausnahmen bis heute beibehalten.
1 Ausbausiedlung
…die Namenforschung hat in die Vielzahl unserer Ortsnamen eine gewisse zeitliche Ordnung gebracht, beginnend mit den auf -ingen und -heim endigenden, als der ältesten Schicht der Urorte, und etwas jünger als zweiter Schicht, etwa vom 7. Jahrhundert an, den Ausbausiedlungen. Diese legten die Alamannen teilweise von den ursprünglichen Wohnplätzen aus an. Ihre Suffixe sind -hausen, -stetten, -hofen…
Quelle: «Die ländliche Siedlung des Mittelalters in der Nordschweiz: vom Blickpunkt der Siedlungsgeographie und der Archäologie»
2 Die Eroberung des Aargaus
Im Frühling 1415 entreissen die Eidgenossen in einem handstreichartigen Feldzug den mächtigen Habsburgern ihre Stammlande im Aargau. Ausgangspunkt des Einmarsches der Eidgenossen in den Aargau im Frühling 1415 ist ein Streit zwischen dem habsburgischen Herzog Friedrich IV. – zu seinem Herrschaftsgebiet gehört auch der Aargau – und dem König des heiligen römischen Reiches, Sigismund von Luxemburg. Diese treffen am Konzil von Konstanz aufeinander, wo im Frühjahr 1415 die damalige Spaltung innerhalb der Kirche überwunden werden soll. Herzog Friedrich ist in Konstanz, um einem der drei konkurrierenden Päpste seine Unterstützung zukommen zu lassen. Als sich abzeichnet, dass der von Herzog Friedrich unterstützte Papst keine Chancen haben würde, verhilft ihm Friedrich am 21. März zur Flucht. Kurze Zeit später wird dieser aber aufgegriffen und auf Geheiss von König Sigismund gefangengenommen. Zehn Tage danach, am 30. März, fordert Sigismund von seinen Verbündeten, den Besitz Friedrichs anzugreifen. Und so erobern die Berner, Zürcher und Luzerner sowie weitere eidgenössische Orte zwischen dem 18. April und dem 18. Mai die meisten Gebiete südlich des Juras – nur das Fricktal bleibt im Besitz der Habsburger. Damit verändert sich die politische Situation im ehemals habsburgischen Stammland – dem damaligen Aargau – völlig. Die Habsburger sehen sich auf die Gebiete nördlich des Juras zurückgeworfen. Der westliche Teil des Aargaus wird schrittweise in den bernischen Staat integriert.
Quelle der Textauszüge: Kanton Aargau
Im Jahr 2021 zählt Menzengrüt 17 bewohnte Häuser. Die lockere Siedlung ist durch ein einfaches Wegnetz strukturiert. Dabei bilden die in Süd-Nord-Richtung verlaufende Gundetswiler-Strasse die Hauptachse und die quer davon abzweigenden Kefiker-, Attiker-, Hinterdorf- und Rickenbacher-Strassen die Feinstruktur des Weilers. Das Ortsbild von Menzengrüt ist dank der Lage abseits von Durchgangstrassen bis heute unbeschadet erhalten geblieben.
| Titel | Dateiname | Typ | Grösse |
|---|---|---|---|
| Wiesendangen_Leitbilder_Kernzonen_2018.pdf | Wiesendangen_Leitbilder_Kernzonen_2018.pdf | application/pdf | 14.88MB |
| Kefikerstrasse_1_Bericht_Denkmalpflege.pdf | Kefikerstrasse_1_Bericht_Denkmalpflege.pdf | application/pdf | 862.39KB |
| 1852_Keller_Der-Canton-Zuerich-mit-seinen-naehern-Angraenzungen.pdf | 1852_Keller_Der-Canton-Zurich-mit-seinen-nahern-Angranzungen.pdf | application/pdf | 1.06MB |
| 1839_Der-Canton-Zuerich-mit-seinen-naehern-Angraenzungen.pdf | 1839_Der-Canton-Zurich-mit-seinen-nahern-Angranzungen.pdf | application/pdf | 3.17MB |
| 1813_Der-Canton-Zurich.jpeg | 1813_Der-Canton-Zurich.jpeg | image/jpeg | 248.8KB |
| 1766_Territorium-Der-Republic-Zurich.png | 1766_Territorium-Der-Republic-Zurich.png | image/png | 1.9MB |
| 1264_Zeller-Werdmuller_Karte-zum-Zurcher-Urkundenbuch-Band-I-bis-III.pdf | 1264_Zeller-Werdmuller_Karte-zum-Zurcher-Urkundenbuch-Band-I-bis-III.pdf | application/pdf | 2.15MB |